Wundheilungsstörung: Warum heilt meine Wunde nicht?
Es kann frustrierend sein, wenn eine Wunde trotz guter Pflege einfach nicht heilt. Eine mögliche Ursache ist ein Biofilm auf der Wunde, eine dünne, schleimige Schicht aus Bakterien und Pilzen. Dieser Mikrobenfilm schützt die Keime wie eine unsichtbare Schutzschicht, sodass das Immunsystem und Antibiotika nur schwer wirken. Insbesondere chronische Wunden, die durch Biofilm verzögert heilen, erfordern gezielte Maßnahmen.
Was sind Wundheilungsstörungen?
Wundheilungsstörungen treten auf, wenn der natürliche Heilungsprozess einer Wunde gestört oder verzögert ist. Normalerweise durchläuft eine Wunde drei verschiedene Phasen:
- Phase 1: Blutstillung
- Phase 2: Granulation (Aufbau von neuem Gewebe)
- Phase 3: Epithelisierung (Schluss der Wunde durch Hautzellen)
Wenn einer dieser Schritte blockiert ist, kann die Wunde nicht richtig heilen. Das kann dazu führen, dass die Wunde lange offen bleibt, schmerzt oder sich entzündet.
Woran erkenne ich eine Wundheilungsstörung?
Nicht jede Wunde heilt gleich schnell. Bleibt die Heilung jedoch über längere Zeit aus oder verschlechtert sich der Zustand der Wunde, kann dies auf eine Wundheilungsstörung hinweisen. Häufig treten solche Beschwerden auch bei entzündeten Hautstellen wie einer Nagelbettentzündung auf.
Typische Anzeichen von Wundheilungsstörungen sind:
- Langsamer oder stockender Wundverschluss
- Rötung, Schwellung oder Schmerzen
- Sekretbildung oder wiederkehrende Infektionen
Was sind mögliche Ursachen für schlechte Wundheilung?
Manchmal heilt eine Wunde schlecht, weil direkt am Wundort etwas nicht stimmt. Starker Druck oder ständiges Reiben kann die Wunde öffnen oder reizen. Auch schlechte Durchblutung, etwa bei Druckgeschwüren oder Venenschwäche, verzögert die Heilung, weil die Wunde nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Fremdkörper oder abgestorbenes Gewebe können die Wundheilung zusätzlich behindern und müssen meist entfernt werden. Zudem können kleine Verletzungen durch Splitter oder Fremdkörper in der Haut Entzündungen verursachen und den Heilungsprozess verzögern. Häufig kommen auch Infektionen hinzu: Bakterien oder ein Biofilm auf der Wunde können die Heilung stark verzögern. Auch eingewachsene Haare, entzündete Haarfollikel oder kleine Abszesse können die Wundheilung beeinträchtigen.
| Ursache / Faktor | Auswirkungen auf die Wundheilung | Typische Beispiele |
| Druck oder Reibung | Mechanische Belastung reizt das Gewebe und kann die Wunde immer wieder öffnen oder verschlimmern | Druckgeschwüre, Reibung durch Kleidung oder Schuhe |
| Schlechte Durchblutung | Die Wunde wird schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, wodurch sich der Heilungsprozess verlangsamt | Venenschwäche, Gefäßerkrankungen |
| Fremdkörper oder abgestorbenes Gewebe | Blockieren den natürlichen Heilungsprozess und fördern Entzündungen | Splitter, Schmutzpartikel, nekrotisches Gewebe |
| Infektionen durch Bakterien oder Pilze | Mikroorganismen vermehren sich in der Wunde und verhindern den Aufbau von neuem Gewebe | Eitrige Wunden, bakterielle Hautinfektionen |
| Biofilm auf der Wunde | Bakterien bilden eine schützende Schleimschicht und sind dadurch schwerer durch Immunsystem oder Medikamente zu bekämpfen | Chronische Wunden mit langsamer Heilung |
| Lokale Hautentzündungen | Entzündete Strukturen rund um die Wunde können die Regeneration zusätzlich behindern | Eingewachsene Haare, entzündete Haarfollikel, kleine Abszesse |
| Allgemeine Erkrankungen | Bestimmte Krankheiten beeinträchtigen die Fähigkeit des Körpers, neues Gewebe zu bilden | Diabetes mellitus, Immunschwäche |
| Unsachgemäße Wundversorgung | Unzureichende Reinigung oder ungeeignete Verbände können die Heilung verzögern oder Infektionen begünstigen | Falsche Wundpflege, seltene Verbandswechsel |
Biofilm auf der Wunde erkennen und verstehen
Ein Biofilm auf der Wunde ist ein dünner Film aus Bakterien, Pilzen und deren Schleimstoffen. Man kann ihn sich wie einen unsichtbaren Schutzschild vorstellen: Die Mikroorganismen sind darin gut vor dem Immunsystem und Antibiotika geschützt. Deshalb kann eine Wunde trotz Reinigung und Pflege nur sehr langsam oder gar nicht heilen.
Anzeichen für Biofilm auf Wunden
Ein Biofilm ist mit bloßem Auge nicht immer eindeutig zu erkennen. Dennoch gibt es einige typische Hinweise, die darauf hindeuten können, dass sich eine solche bakterielle Schutzschicht auf der Wunde gebildet hat.
- Dünne, glänzende oder schleimige Schicht auf der Wunde
- Schicht bildet sich schnell wieder, auch nach Abwischen
- Schlechte Wundheilung/Wunde heilt nur langsam oder zeigt anhaltende Rötung und Sekretbildung1
Folgen von Biofilm auf die Wundheilung
Wenn sich ein Biofilm auf einer Wunde bildet, kann dies den natürlichen Heilungsprozess erheblich beeinträchtigen. Die schützende Struktur der Bakterien erschwert es dem Körper, die Keime zu bekämpfen und neues Gewebe aufzubauen.
- Blockade des Wachstums von neuem Gewebe und Hautzellen: Normalerweise füllt sich eine Wunde mit neuem Gewebe (Granulation), und Hautzellen wachsen darüber, um die Wunde zu verschließen (Epithelisierung). Wenn Biofilm diesen Prozess stört, heilt die Wunde deutlich schlechter bzw. langsamer.
- Erhöhtes Risiko für chronische Infektionen: Da der Biofilm Bakterien schützt, können Infektionen länger bestehen bleiben.
- Resistenz gegen Standardtherapien: Antibiotika oder antiseptische Mittel wirken oft nicht zuverlässig, weil der Biofilm die Mikroben abschirmt.
Welche Risikofaktoren können die Wundheilung verzögern?
Neben Biofilmen können auch verschiedene gesundheitliche und äußere Faktoren die Wundheilung verlangsamen. Besonders bei bestehenden Erkrankungen oder ungünstigen Bedingungen benötigt der Körper oft deutlich länger, um beschädigtes Gewebe zu regenerieren.
- Diabetes mellitus oder schlechte Blutzuckerkontrolle
- Durchblutungsstörungen
- Immunschwäche oder chronische Erkrankungen
- Unsachgemäße Wundversorgung
- Langanhaltende Entzündungen durch Biofilm
💡 Tipp: Wer Risikopatient ist oder den Verdacht auf Biofilm hat, sollte frühzeitig eine Fachkraft für Wundversorgung oder eine Ärztin/einen Arzt aufsuchen.
Behandlung von Wundheilungsstörungen mit Biofilm
Internationale Expertenpapiere und Konsensdokumente empfehlen einen multifaktoriellen Ansatz bei Biofilm‑belasteten Wunden: Biofilm sollte durch regelmäßiges Reinigen und gezieltes Débridement gestört werden, gefolgt von antiseptischer Behandlung oder antimikrobiellen Verbänden, um eine erneute Biofilmbildung zu verzögern.2 Die Therapie zielt darauf ab, den Biofilm zu reduzieren und die Wunde optimal heilen zu lassen:
- Wunde gründlich reinigen und abgestorbenes Gewebe entfernen: Durch sogenanntes Débridement werden Biofilmreste und beschädigtes Gewebe beseitigt, damit die Heilung starten kann.
- Gezielte antimikrobielle Behandlung: Antibiotika oder spezielle Wundauflagen können helfen, die Bakterien im Biofilm zu bekämpfen.
- Optimale Wundversorgung vor Ort: Feuchte Wundheilung, moderne Verbände und Druckentlastung unterstützen die Wunde, schneller zu schließen.
- Gesundheit und Systemfaktoren verbessern: Blutzucker kontrollieren, auf Ernährung achten und das Immunsystem stärken, damit der Körper die Heilung optimal unterstützt.
Warum ist Biofilm auf Wunden so resistent gegen Antibiotika und Desinfektionsmittel?
Ein Biofilm ist eine dicke, schleimige Schicht auf der Wunde, in der Bakterien zusammenleben und sich gegenseitig schützen. In dieser „Festung“ teilen sich die Bakterien langsamer und sind weniger aktiv, wodurch Antibiotika oder Desinfektionsmittel oft nicht mehr wirken. Ähnliche bakterielle Prozesse spielen auch bei entzündeten Hautstellen oder tieferliegenden Entzündungen wie einer Schleimbeutelentzündung eine Rolle. Die Schleimschicht blockiert zusätzlich das Eindringen der Wirkstoffe, sodass normale Wundbehandlung allein häufig nicht ausreicht.
Kann Harzsalbe bei Biofilm eine Lösung sein?
Medizinisch aufbereitete Harzsalben sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich und können bei schlecht oder nicht heilenden Wunden eine sinnvolle unterstützende Maßnahme sein:
- Das Baumharz lockert die Schleimschicht des Biofilms physikalisch auf, sodass die Bakterien wieder zugänglicher für das Immunsystem werden.
- Natürliche Inhaltsstoffe im Harz senken den pH-Wert der Wunde, reduzieren die Keimbelastung.
- Die mehrfach wirkenden Inhaltsstoffe verhindern, dass Bakterien schnell Resistenzen entwickeln, wie es bei Antibiotika manchmal der Fall ist.
- Wirksamkeit nachgewiesen: sowohl in Laborstudien (In‑Vitro) 3 als auch in klinischen Untersuchungen. 4
Besonders bei frühzeitigem Einsatz kann dies helfen, stagnierende Heilungsverläufe wieder in Bewegung zu bringen.
Wichtig ist jedoch: Eine Harzsalbe ersetzt keine fachgerechte medizinische Wundbehandlung. Bei chronischen, stark entzündeten oder sich verschlechternden Wunden sollte immer eine Ärztin, ein Arzt oder eine spezialisierte Wundfachkraft hinzugezogen werden.
Für kleinere, oberflächliche oder beginnende Heilungsstörungen kann die Anwendung jedoch eine praktische und niedrigschwellige Möglichkeit sein, die Wundheilung gezielt zu unterstützen – vorausgesetzt, die Wunde wird regelmäßig kontrolliert.
Fazit zu Wundheilungsstörungen
Chronische Wundheilungsstörungen durch Biofilm erfordern frühzeitige Diagnose und gezielte Therapie. Mit der richtigen Behandlung und Prävention können Patienten die verzögerte Wundheilung erkennen und therapieren und die Heilungschancen deutlich verbessern.
Quellenangaben:
1 Malic, G., Basu, S., Banerjee, T. & Shukla, V. (2023). Biofilm and wound healing: from bench to bedside. European Journal of Medical Research, 28, 157. doi:10.1186/s40001-023-01121-7
2 Schultz et al. (2017) Consensus guidelines for the identification and treatment of biofilms in chronic nonhealing wounds, Wound Repair and Regeneration.
3 Rautio, M., et al. (2007). Antibacterial effects of home‑made resin salve from Norway spruce (Picea abies). APMIS, 115(4), 335–340. DOI: 10.1111/j.1600‑0463.2007.apm_548.
4 Sipponen, A., Kuokkanen, O., Tiihonen, R., Kauppinen, H. & Jokinen, J. J. (2012). Natural coniferous resin salve used to treat complicated surgical wounds: pilot clinical trial on healing and costs. International Journal of Dermatology, 51(6), 726–732. DOI: 10.1111/j.1365‑4632.2011.05397
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Häufige Fragen:
Wunde heilt nicht
Eine Wunde heilt oft nicht, wenn Faktoren wie Durchblutungsstörungen, Diabetes, Druckbelastung, Infektionen oder ein Biofilm den natürlichen Heilungsprozess stören. Der Körper kann dann kein neues Gewebe ausreichend aufbauen, sodass sich die Heilung verzögert.
Von einer chronischen Wunde spricht man, wenn sie nach etwa vier bis acht Wochen trotz fachgerechter Behandlung nicht deutlich kleiner wird oder nicht abheilt. Häufig liegen Grunderkrankungen oder eine anhaltende Entzündung zugrunde.
Biofilm zeigt sich häufig als dünne, glänzende oder leicht schleimige Schicht, die sich nach der Reinigung schnell wieder bildet. Normaler Wundbelag ist meist trockener oder grisselig und lässt sich leichter entfernen. Heilt die Wunde trotz Pflege nur langsam, kann Biofilm eine mögliche Ursache sein.
Biofilm entsteht, wenn Bakterien oder Pilze aus der Haut oder der Umgebung in die Wunde gelangen und eine schützende Schleimschicht bilden. Diese schützt die Mikroorganismen vor dem Immunsystem und Antibiotika. Besonders chronische Wunden oder Erkrankungen wie Diabetes begünstigen die Biofilmbildung.
Die Behandlung erfolgt meist durch gründliche Reinigung und Débridement, antimikrobielle Wundauflagen sowie eine optimale feuchte Wundversorgung. Zusätzlich sollten Grunderkrankungen wie Diabetes gut eingestellt werden, um die Heilung zu unterstützen.
Eine sorgfältige Wundhygiene, regelmäßige Kontrolle, gute Blutzuckereinstellung, ausreichende Nährstoffzufuhr und Rauchverzicht fördern die Heilung. Bei Risikopatienten ist eine frühzeitige ärztliche Betreuung besonders wichtig.